Griechische Strategie und russische Verführung

Matrëška | © bernanamoglu
Matrëška | © bernanamoglu

Die Strategie der neuen griechischen Regierung wird langsam klar. Der neue Finanzminister Yanis Varoufakis hat nach dem gestrigen Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Michel Sapin einige Schlüsselpassagen seines Konzeptes klargestellt. Griechenland zielt nicht auf einen Schuldenschnitt, die Konditionen der Rückzahlung sollen aber neu verhandelt werden.


 

Griechenand wird vorerst keine neuen Kredite beantragen. Der griechische Minister trat in Paris kompetent und selbstbewusst, insgesamt beruhigend auf. Griechenland ziele auf keinen Fall auf eine Teilung zwischen Nord- und Südeuropa. Bei dieser neuen Herangehensweise möchte Athen die Interessen der finanzierenden europäischen Partner und die Einheit Europas wahren. Weitere Einzelheiten werden womöglich nach den geplanten Treffen der nächsten Tage mit den Finanzministern der anderen EU-Länder den bisherigen Wissensstand ergänzen (Pressekonferenz von Paris teilweise >hier).

Das Gegenstück zur neuen griechischen Finanz- und Wirtschaftspolitik hat mittlerweile der Aussenminister Griechenlands, Nikos Kotzias, bekannt gegeben. Er hat nämlich erklärt, die neue griechische Regierung «sei nicht bereit, auf die historischen Beziehungen zwischen Griechenland und Russland zu verzichten.» Die Nachricht wurde von den russischen offiziellen Medien sofort laut verkündet (z.B. >hier). Das Argument ist übrigens nicht neu. Diese Erklärung weist nicht nur auf die Möglichkeit, dass Griechenland gegen eine Verschärfung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland, als Folge der jeden Tag schwierigeren Krise in der Ukraine, auftritt.

Will Griechenland die europäischen Kredite durch russische Hilfeleistungen ersetzen? Das wäre im heutigen Sachverhalt für Athen nicht angebracht. Es könnte dennoch der Fall sein. Schon bei der Suche des Koalitionspartners zur Bildung der neuen Regierung hat Alexis Tsipras gezeigt, dass er hauptsächlich auf seine Ziele hinarbeitet, egal welche Fahrgäste in seinen Zug mit einsteigen. Es gibt wenig Zweifel, dass Moskau in diesem Fall mitmachen würde. Es scheint jedoch wahrscheinlicher, dass Athen in den kommenden Wochen und Monaten diese Möglichkeit eher als Verhandlungsargument bei den Gesprächen mit den europäischen Partnern und Institutionen nutzt.

Auch interessant:  Syrien, neuer US-Angriff: Fünf Antworten

Die Aussicht, dass Griechenland die bisher höchst fragile, aber immerhin einheitliche Front der Russland-Sanktionen verlässt und sogar Kredite von Moskau entgegennimmt, scheint sich als Verhandlungsstoff für eine Neuregelung der Schuldenfrage mit den europäischen Kreditgebern ideal zu eignen.

Die griechische Frage ist bei weitem nicht nur eine finanzielle und wirtschaftliche. Nach den Wahlen vom 25. Januar zeigt sie Tag für Tag ihr scharfes geopolitisches Profil.

Diesen Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*